Krankenhaus-Museum
KrankenhausMuseum – Archiv
Archiv im Krankenhausmuseum

Outsider-Kunstwerke

Bestandserschließung der Sammlung im Krankenhaus-Museum

In den letzten Wochen konnten in der Projektlaufzeit "Outsider-Kunstwerke" ca. 4500 Krankenakten kursorisch von Mitarbeiter:innen der KulturAmbulanz gesichtet und künstlerische Arbeiten entdeckt werden. Zur Erfassung dieser wurde ein System entwickelt, nach dem aus dem Bestand von ca. 65.000 Krankenakten aus den Jahren 1851 bis 1969 regelmäßige Stichproben entnommen wurden. In 71 Akten wurden bildlich künstlerische Arbeiten gefunden. Meist handelt es sich dabei um eigenhändige Zeichnungen, kommentierte Drucke oder Fotografien. Auch Hinweise auf Kunstobjekte konnten ermittelt werden, die eine Recherche nach Kunstwerken ermöglichte.
So wurde zum Beispiel eine Holzschnittarbeit eines Patienten aus den 1940er Jahren wiederentdeckt, die sich im Privatbesitz der Familie eines ehemaligen Mitarbeiters befand und dem Museum nun überlassen wurde.


Wiederentdeckte künstlerische Arbeiten

Ein weiteres schönes Beispiel eines Outsider-Kunstwerkes sind die zeichnerischen Entwürfe von Robert Herr, der Plakate zum seriellen Druck entworfen hat. Seine „Gastronomische Notverordnung" vereint künstlerisches Geschick mit einem ironisch-kritischen Blick auf die Zeit der Weltwirtschaftskrise.

Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Stiftung, zum Projekt:

„Mit diesem einzigartigen Projekt der Bestandsaufnahme von Outsider-Kunstwerken der KulturAmbulanz im Rahmen der Corona-Förderlinie der EvSK wurde der Grundstein für vielversprechende zukünftige Ausstellungen und Forschungen des Krankenhaus-Museums Bremen gelegt. Dass hier die Möglichkeit gegeben wird, anhand von künstlerischen Arbeiten aus historischen Krankenakten der Verknüpfung von Kunst und Wissenschaft Ausdruck zu verleihen, ist und bleibt gesellschaftlich und kulturgeschichtlich von immenser Bedeutung“, betont Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.
„Die Wissenschaft ist der Verstand der Welt, die Kunst ihre Seele“
(Maxim Gorki).

Gefördert durch:
Ernst von Siemens Kunsstiftung

 

Durch das Stichprobensystem konnte festgestellt werden, dass in der Zeit bis 1933 deutlich häufiger künstlerische Objekte in den Akten überliefert wurden. Auf diese Erkenntnis, die erst durch die breite Untersuchung ermöglicht wurde, können neue Projekte und Forschungsarbeiten zukünftig aufbauen.

Bei der Sichtung der Akten wurde den bisher unterschiedlichen und teils divergenten Lagerungssystemen Rechnung getragen und gleichzeitig eine zukünftige einheitliche Aufnahme aller Akten vorbereitet. Die neu aufgefundenen Objekte wurden einer restauratorischen Zustandsüberprüfung unterzogen und entschieden, welche Objekte rein konservatorisch behandelt werden mussten und welche einer restauratorischen Maßnahme bedurften.
Glücklicherweise waren weniger Blätter als angenommen von mechanischen Schäden betroffen, aber trotzdem waren zahlreiche von ihnen achtlos in die Akten gelegt worden. Hauptsächlich gefaltet, in zu engen Umschlägen, einige wiesen Risse und Fehlstellen auf oder klebten an anderen Blättern fest.
Ein Selbstbildnis von August Ahrens beispielsweise, das auf Tagebuchaufzeichnungen des Patienten geklebt wurde, musste gelöst werden, ein Riss wurde geschlossen und der Inhalt der Aufzeichnung wurde wieder zugänglich.

Als Träger der Zeichnungen diente zudem Papier minderer Qualität (Wäschezettel, Werbeschriften, benutzte Schulhefte). Deshalb mussten einige arbeiten aus den meist säurehaltigen Akten separiert werden, um sie in säurefreien Hüllen und Schutzbehältnissen zu archivieren.
Die sorgfältige Arbeit der Restauratorin wurde fotografisch dokumentiert und in einem kleinen Videofilm festgehalten.

In Absprache mit der Museumsleitung wurde ein Konservierungs- und Aufbewahrungskonzept entwickelt, um den Bedürfnissen der Werke und des Museumsalltags gerecht zu werden. Das Projekt hat somit einen grundlegenden Beitrag zur systematischen Bestandserschließung von Outsider-Kunstwerken in der Sammlung des Krankenhaus-Museums geleistet, zahlreiche bisher unbekannte künstlerische Arbeiten ausfindig gemacht und nachhaltig erschlossen. Mehrere der Kunstwerke können zukünftig in die geplante neu gestaltete Dauerausstellung des Krankenhaus-Museums einbezogen und öffentlich gezeigt werden.




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